Presse

EDISON MAGAZIN, Juni 2021

Von Grünheide nach Moabit

 

 

MEINE GESCHICHTE

Die Leidenschaft
Meine Liebe zum Kochen habe ich mit 12 Jahren entdeckt. Da meine Eltern sehr viel gearbeitet haben, habe ich angefangen des öfteren für die ganze Familie zu kochen.

Unternehmerisches Denken
Ab 15 habe ich Zutaten mit meinem Taschengeld gekauft und nach dem Kochen die Gerichte an meine Eltern verkauft. So haben mir meine Eltern von Anfang an unternehmerisches Denken beigebracht. Mein Gewinn war dann sozusagen mein Taschengeld.

Erste Erfahrungen
Mit 16 hatte ich als Praktikant die Gelegenheit in verschiedenen Restaurants, Hotels und auch bei meiner Oma in Frankreich praktische Erfahrungen in Profi-Küchen zu sammeln. Ich war von der Energie und der Kreativität in den Küchen so sehr begeistert, dass ich unbedingt eine Kochausbildung machen wollte.

Das System schlägt zurück
Ich habe mich also um einen Ausbildungsplatz beworben. Allerdings war es meinem Ausbilder lieber, dass ich zuerst mein Abitur fertig mache und wurde deshalb abgelehnt. Leider hatte ich das akzeptiert, obwohl ich meine Entscheidung eigentlich schon getroffen hatte. Die Schule motivierte mich danach noch weniger als zuvor. 

Meine Noten rutschten ab und eine weitere meiner Leidenschaften – Elon Musk und vor allem Tesla – nahm von nun an einen immer größeren Platz in meinem Leben ein. Für ein paar Wochen war ich ziemlich bekannt als der Tesla-Boy von Grünheide, ein paar Artikel wurden über mich geschrieben und einmal war ich sogar im Fernsehen … das war eine sehr aufregende Zeit, aber vor lauter Begeisterung habe ich mein Abitur vermasselt und somit ein weiteres Jahr umsonst in die Schule investiert.

Ich hatte zwar trotzdem meinen Ausbildungsplatz sicher. Von der Form her war das Abitur keine Notwendigkeit. Aber es fühlte sich alles nicht mehr wirklich richtig an. Ich war wirklich deprimiert und saß nur noch hinter dem Computer.

Wenn das Schicksal an die Tür klopft
Nach Gesprächen mit meinen Eltern hat sich die Möglichkeit aufgetan, dass ich eine Gewerbeeinheit fast im Alleingang renoviere, zum Café ausbaue und dann betreibe. Ich habe sofort ja gesagt! Die nächsten Monate sollten zwar die spannendsten und ermüdetsten Monate meines Lebens werden, aber ich weiß, dass ich etwas Einzigartiges geschaffen habe.

Mein neues Leben
Seit Juni habe ich das Café renoviert und eingerichtet. Ende August habe ich angefangen etwas Café und ein paar Snacks zu verkaufen. Zur selben Zeit habe ich alle meine Ersparnisse und ein kleines Erbe meiner Uroma in alle Geräte und den Aufbau meiner professionellen Küche investiert. Hier hat es sich wirklich gelohnt die Praktika mit offenen Augen gemacht zu haben! Die Infektionsschutzbelehrung war auch sehr hilfreich, um alles von Anfang an richtig zu machen.

Danke an alle, die mir geholfen haben!
Jetzt biete ich seit Oktober täglich leckeres Essen an. Ich freue mich sehr, dass mein Angebot von der Nachbarschaft und der französischen Gemeinschaft  Berlins geschätzt wird! 

Seit Anfang 2021 habe ich mich vergrößert und Antoine, ein junger Koch aus Frankreich, unterstützt mich jetzt – zu zweit verwöhnen wir eure Gaumen mit mehr Auswahl an leckeren Gerichten als zuvor!

Euer Emil